Wie eine Population stehen tausende von Nägeln auf dem Universum des Baumes stramm. Die Sprache dieser Kultur ist ausdrucksstark. Es ist die Sprache des Materials. Die Feingliedrigkeit der Nagelei ist farbenprächtig in die Welt der Malerei gewandert. Wogende Farbpunkte durchfließen die Formate wie kleine Köpfe in einem Ozean. Lebendigkeit, das organische wird in neuer Form vorgetragen.

Michl Herberstein ist, nach langjähriger Erfahrung im grafischen und künstlerischen Bereich, zu Hause angekommen, bei der Skulptur. Das Archaische, ursprünglich Reine, das, was die Natur ihm als einfach wahrgenommenes Formerlebnis anbietet, greift er in seinen Arbeiten auf und transformiert es in eine haptisch-optische Komposition. Der Sandstein ist als Medium schwieriger und interessanter als z.B. der homogene Marmor, denn der Sandstein ist porös, von unterschiedlicher Dichte, besteht aus unendlich vielen Einzelstücken im Verband, durch Druck, Wasser und Zeit aneinandergepresst und zur eigenständigen Form geronnen. Diese Eigenständigkeit zeigt sich in den Reaktionen des Materials während der Bearbeitung, wo jeder Schlag unerwartete Antworten des Steins bringen kann. Das Anschauen ist bei seinen Arbeiten mindestens genau so wichtig wie das Angreifen. Je direkter umso besser.

Das Spröde des Steins, der sein Bewusstwerden als Schwere vermittelt, und doch wider den ersten Anschein viele Merkmale des Lebendigen enthält. Er ist zugleich die der Elemente aus Äonen, sie sind seine Struktur. Darauf Hinzuweisen ist dem Künstler wichtig. Es geht ihm um das gleichsam blinde Ertasten des Anderen, hier im Stein. Für Michl Herberstein leben die Steine, bringen sie ihre Geschichte unter seinen Händen fühlbar ans Tageslicht. Die Intensität der Berührung steigt, wenn wir die Augen schließen, denn so wirkt die eigene Tiefenwahrnehmung, die eigene präsente Gestalt mit dem unverrückbar Anderen am die äußere Grenze empfinden zusammen.

Wir erleben uns selbst neu, indem wir das/den/die Andere berühren. Zu dieser sensiblen Reise möchte uns der Künstler verführen, dessen Lebensinhalt es geworden ist, sich an der Form so lange abzuarbeiten, bis er sich darin erkannt hat. Möge das allen Betrachtern/Berührenden auch gelingen, im stillen Dialog mit der Skulptur.

Steckbrief

2015: „Von der Oberfläche zur tiefen Wahrnehmung“ Metallobjekte,
Volksbank Operngasse Wien
2014/2013: „Tage der offenen Ateliers“ im Rahmen der Niederösterr. Kulturvernetzung
2014: „Krieg umfrieden“ Metallobjekte, Reichenau an der Rax
2013: „Acryl auf Leinwand“ im Kandinsky, Wien
2013: Erstes offenes Atelier in Goggendorf
2011: „HerbersteinE“ Galerie Florianigasse, Wien
2010: „One hour exhibition“ Lentos Linz, Gemeinschaftsausstellung
2008: Gründung des Galerie-Ateliers Laudongasse, Wien
1990-1994: Universität für Angewandte Kunst, Wien. Abschluss als Magister Art