Monotone schwarze Hintergründe werden im zweiten Blick zu feinst ziselierten Oberflächen mit Halbleiterplatten Kennzeichnungen, die sich verwerfen oder aus der vordergründigen Bildperspektive kippen. Ebenen sind vielfach durchbrochen, Gegenstände, obwohl scharf gezeichnet und kontrastreich freigestellt, verlieren sich in der chaotischen Umgebung und es bleibt unklar, was vorne und was hinten zu sein hat.

Beim Wort Stillleben läuft mancher Gefahr, aus kunsthistorisch abgeklärtem Reflex nicht genau hinzusehen. Seit der Antike ist die Abbildung von Alltagsgegenständen, ob realitätsgetreu oder im eigenen malerischen Gestus, fixer Bestand des Kunstgenres und auch -marktes. Faszinierend, wie gut wir gesellschaftliche Gegebenheiten ferner Vergangenheiten aus alten Stillleben rekonstruieren können und für uns erschließbar machen. Wie würde ein zeitgenössisches Stillleben mit Hilfe aktueller bildgebender und -bearbeitender Techniken aussehen? Was bleibt von unserer Gegenwart?

Albert Winkler hat sich dieser Aufgabe gestellt. Uns heute im flüchtigen Hinblick geläufige Alltagsgegenstände, ob sie aus der Technik kommen, ob es weggeworfene Verpackungen, faulende Essensreste und Früchte, Strauchäste, Blüten oder Blätter sind, der Künstler tote Insekten arrangiert, dies geschieht so exakt, dass die hyperrealistische Kompositionen ins Manieristische umschlagen. Nichts auf den Bildern von Albert Winkler ist so wie es scheint.

Die bewusste gewählte weite Leere in anderen Fotoarbeiten, in die Blütenreste, einige Beeren und tote Insekten eingestreut sind, auch ein kleines Häufchen Sand oder Staub da oder dort, saugen den Betrachter geradezu auf. Hier versteht jemand das Handwerk präziser Positionierung von Objekten, sie wirken wie natürlich vom Wind da hingeblasen, zum letzten Miteinander als Vergängliche – gemeinsam verwest es sich leichter. Winkler hat bereits in früheren Arbeiten mit unseren visuellen Erwartungshaltungen gespielt. Er vermeidet die gewohnte Tiefenschärfe, die uns Halt geben kann. Er arbeitet sie in vielen minutiösen fotografischen Produktionschritten und Rekombinationen weg. Alles ist scharf, vom kleinsten Detail bis zum deshalb die unwirkliche Szenerie nicht fassenden Hintergrund. Obwohl es Stillleben sind, so scheint nur der nächste kurze Augenblick zu fehlen, bis Bewegung hineinkommen, alles sich ordnet oder auseinanderfliegt, so wie wir es vom wirklich Sichtbaren erwarten.

Man wird an Vanitasmotive erinnert, bemerkt perspektivische Verzerrungen in Anlehnung an trompe- l’oeil Traditionen, Winkler gestaltet aufwändige Assemblagen. Doch so wie er etwa Tischtuch, Essens- und Serviettenreste einer Festtafel ins Bild fasst, vermag niemand zu sagen, was davon wirklich so lag, am Ende des schönen Abends. Gerade weil die Objekte in den Bildern so offensichtlich und klar erscheinen, kommen uns schließlich Zweifel. Genau dorthin möchte uns Albert Winkler auf seinen ästhetischen Wegen führen.

Albert Winkler

2016: Gemeinschaftsausstellung mit Robert Staudinger in ZS Art Galerie, Wien

Lehrtätigkeit “Digitale Bildbearbeitung” bei Klasse für Ideen in Grafik und Werbung an der Universität für angewandte Kunst, Wien

Selbständiger Bildermacher, Wien